Wir stehen am Gartenzaun des vermutlich ältesten Wohnhauses von Heisch, dem sogenannten Untervogt-Haus. Das Gebäude mit Baujahr 1594 war lange Zeit im Besitz der Familie Näf, die in der Gemeinde Hausen massgeblich in wichtigen Ämtern vertreten war.
Um 1675 erwarb Jakob Näf dieses Haus. Der einflussreiche Mann war Offizier im Militär und amtete als Landrichter. Hans Heinrich Näf, ein weiterer Sohn von Jakob, erlernte das Chirurgen-Handwerk und kehrte nach langer Tätigkeit als Feldarzt in Holländischen Diensten ins Elternhaus zurück. Militärisch machte er schnell Karriere, politisch wurde er zum Untervogt von Hausen und Heisch ernannt.
Das stattliche Wohnhaus ist teils als Blockständerbau, teils als Sichtfachwerk-Haus erstellt worden. Urkundlich wird der Besitz beschrieben als „eine Behausung und Hofstatt, eine Scheune und Stallung, ein Waschhaus, ein Gebäude genannt Wasserkeller (Käsekeller) und eine Gerechtigkeit (Anteil an Wies- und Ackerland sowie Wald)“. Das kleinere Gebäude, vom Zaun aus gesehen links des Wohnhauses, war bis ca. 1900 die Käserei von Heisch, bestehend aus einem Käserei-Raum und einem Käsekeller, unterirdisch gekühlt durch den Heischerbach. 1979 wurde das Wohnhaus ins überkommunale Inventar der Gebäude von kantonaler Bedeutung aufgenommen.
Schon mit 31 Jahren war Hans Heinrich Näf Hauptmann und erbte schliesslich die Liegenschaft von seinem Vater Jakob. Er liess das Wohnhaus im Laufe der Zeit prächtig ausstatten und innen bemalen (heute zum Schutz abgedeckt). Er eröffnete eine Arztpraxis und wurde mit 33 Jahren zum Untervogt gewählt, zum Stellvertreter des Landvogts im Dorf. Er vertrat diesen als Vorsitzender im Niederen Gericht, amtete als Urkunds-Person, führte zivilgerichtliche Verfahren durch und hatte als Vertrauensmann der Obrigkeit für den Vollzug der Gesetze zu sorgen.