Zum Hauptinhalt springen

Gemeindehaus

Unser Gemeindehaus mit Baujahr 1912 wurde vom Architekten Franz Bruno Frisch (1871–1932) erbaut, dem Vater des berühmten Schweizer Schriftstellers und Architekten Max Frisch.

Bis ca. 1972 wurde das Gebäude anders genutzt als heute: Im Parterre links waren Gemeinderatskanzlei, Trauzimmer und Sitzungszimmer des Gemeinderats untergebracht. Im Saal rechts, in der heutigen Bibliothek, fanden ursprünglich die Gemeindeversammlungen statt. Im ersten Stock, über dem Hauseingang, wohnte die Familie des Gemeindeschreibers.

Im Dachgeschoss mit den beiden Giebel-Lukarnen hatte der Dorfpolizist seine Amtswohnung. Auf der Südseite des Gebäudes, beim gepflästerten Vorplatz, war der Zugang zum Feuerwehr-Depot.

Das stolze Gebäude mit Baujahr 1912 dominiert den Dorfkern. Es zeugt vom architektonischen Geschmack vor gut hundert Jahren, einer Zeit, als unsere Gemeinde 1400 Einwohner zählte und sich dieses imposante Gebäude leisten konnte. Das Haus wurde vom Architekten Franz Bruno Frisch (1871–1932) erbaut, dem Vater des Schweizer Schriftstellers und Architekten Max Frisch.

Das Haus steht unter Denkmalschutz, weshalb Ausbauten bzw. Veränderungen kaum erlaubt sind – zum Nachteil von Kunden, die nicht mehr gut Treppen steigen können. Eine gute Lösung wurde gefunden, indem an der Ebertswilerstrasse 1 eine Filiale mit ebenerdigem Zugang eröffnet hat.

Das Gebäude weist zahlreiche Bau-Elemente des Jugendstils auf. Von aussen betrachtet fallen die gerundete Giebelform über der Eingangspartie, die Bogen über der Haustür-Nische sowie die plastisch aus Kunststein gegossenen Säulen auf.

Das ganze Haus, vom Keller bis zum Dachboden, war schon in der Anfangszeit gut genutzt, allerdings ganz anders als heute. Im Parterre links waren Gemeinderatskanzlei, Trauzimmer und Sitzungszimmer des Gemeinderats untergebracht. Im Saal rechts, in der heutigen Bibliothek, fanden bis anfangs der 1970er-Jahre die Gemeindeversammlungen statt. Als dann das Frauenstimmrecht eingeführt und deshalb der Saal zu klein wurde, wich man vorerst in den Singsaal des Oberstufen-Schulhauses aus. Seit den 1980er-Jahren benützt man den heutigen Gemeindesaal im Schulhaus Weid I.

Im ersten Stock (Obergeschoss) über dem Hauseingang befand sich einst die Amtswohnung des Gemeindeschreibers. Über dem Gemeindesaal waren die Kochschule für die Mädchen der Oberstufe sowie ein Krankenmobilien-Magazin. Im Dachgeschoss, hinter den beiden Giebel-Lukarnen, wohnte der Gemeindepolizist. Im Erdgeschoss, auf der Südseite des Gebäudes, hatte man über den gepflästerten Vorplatz Zugang zum Feuerwehr-Depot und rechts zum Leichenwagen, mit dem man die Toten zum Friedhof fuhr.

Auch die Westseite des Hauses, gegen die Müseggstrasse, hat Interessantes zu bieten. Heinz Rüegg, als Bub des Gemeindeschreibers im Haus aufgewachsen, erzählt:
„Der Nordteil des Untergeschosses barg für uns Kinder interessante Räume. Vor allem gab es da zwei Arrestzellen, die zur Fasnachtszeit meist, sonst im Jahresverlauf aber nur selten, bewohnt waren. Mit etwas Schaudern beobachteten wir aus sicherer Entfernung, wie der Polizist, oder auch einmal als Stellvertreter mein Vater, einen meist stark angeheiterten Dorfbewohner im Arrestlokal einschloss. Durch eine Klappe in der dicken Türe reichte die Frau des Polizisten den für längere Zeit Eingeschlossenen jeweils das sprichwörtliche Wasser und Brot. Die Klappe war niedrig genug angebracht, dass meine etwa dreijährige Schwester sie öffnen konnte, als ein Insasse sie einmal nett darum bat. Voller Schreck schaute sie zu, wie dieser sich durch die enge Öffnung quälte und durch die hintere Tür in die Müseggstrasse entschwand. Auf ihren entsetzten Bericht bei unserem Vater hin ging dieser ins Wirtshaus zur Alten Post (einst an der heutigen Jonenbachstrasse) bezahlte dort dem Flüchtigen das Bier und nahm ihn wieder zurück in seine Zelle.“

Standort