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Grandezza

Das grosse und imposante Gebäude an der Zugerstrasse 18 wurde von Jakob Zürrer, dem Gründer der hiesigen Seidenhandelsfirma, um 1840 als Geschäftshaus und Ferggerei erbaut. Unter einem Dach waren hier Stallungen und Fuhrpark, Warenlager sowie Wohnungen für Firmenchef und Personal untergebracht. In jener Zeit war die Heimarbeit weit verbreitet. In der Region sowie in der Innerschweiz arbeiteten 600-700 Personen für die Firma Zürrer. Ab 1875 wurde in der Fabrik gearbeitet.

Rund 100 Jahre später erwarben drei Familien als Eigentümergemeinschaft das Haus und renovierten es sachgerecht in jahrzehntelanger Arbeit, bis 2008 vier geräumige Wohnungen samt Treppenhäusern und einer kleinen Dachwohnung bequem bewohnbar waren.

Der Anfang der Firma Zürrer, Seidenhandel und Ferggerei

Das grosse und imposante Gebäude an der Zugerstrasse 18 wurde von Jakob Zürrer, dem Gründer der hiesigen ehemaligen Seidenweberei, um 1840 als Geschäftshaus und Ferggerei erbaut. Unter einem Dach waren hier Stallungen und Fuhrpark, Warenlager sowie Wohnungen für Firmenchef und Personal untergebracht. In jener Zeit war die Heimarbeit weit verbreitet. Die Firma beschäftigte anfänglich Heimarbeiter in der der näheren Umgebung. Diese brachten die fertigen Stücke in die Ferggerei, wo die Arbeit kontrolliert wurde. Sie erhielten dafür ihren Lohn und konnten gleich wieder neues Rohmaterial mit nach Hause nehmen.

In der Region sowie in der Innerschweiz arbeiteten 600–700 Personen für die Firma Zürrer. Diese brauchten nicht nach Hausen zu reisen. Zürrers Pferdekutschen samt mitreisenden Fachleuten trafen die Heimarbeiter regelmässig an vereinbarten Orten für den Warentausch. Ab 1875 verlor das Gebäude allmählich seine Bestimmung, weil ab diesem Zeitpunkt im Fabrikgebäude nebenan produziert wurde.

Eine geglückte Renovation

Nach der Phase mit dem Ferggerei-Betrieb diente das Gebäude meist als Bauernhaus. 1972 kauften drei junge und initiative Paare die heruntergekommene Liegenschaft als Eigentümer-Gemeinschaft. Der Zu-stand des Gebäudes war bedenklich. Die Fassaden schrien nach Renovation und das Mauerwerk begann wegen Feuchtigkeits-Schäden zu bröckeln. Ein Architekt meinte bei einer Besichtigung zu den Käufern: „Das ist ja ‚schäbige Grandezza‘!“ Die Besitzer wussten, was auf sie zukam. Sie brachten in jahrzehntelanger geduldiger Arbeit und mit der Hilfe von Baufachleuten und tatkräftigen Freunden das Gebäude auf Vordermann. Bis 2008 wurden die Fassaden sachgerecht renoviert und im Innern entstanden vier geräumige Wohnungen samt einer kleinen Dachwohnung und den nötigen Treppenhäusern. Das Gebäude wird heute von jedermann einfach „Grandezza“ genannt.

Schon bei der ersten Besichtigung des grossen, leicht heruntergekommenen Hauses mit Scheune und verwildertem Garten kamen bei den künftigen Besitzern Gedanken auf, was man da alles machen könnte: Feste veranstalten sowie gestalterische und kulturelle Projekte. Als Sophie Caflisch nach einer musikalischen Mittelschul-Aufführung nach Hause kam und vorschlug, man könnte einmal eine Oper machen, fiel das bei ihrer bühnenerfahrenen Mutter auf fruchtbaren Boden. In kurzer Zeit meldeten sich weitere Jugendliche und junge Erwachsene, die sich künstlerisch oder handwerklich/administrativ betätigen wollten im erweiterten Familien
projekt. Nachdem noch einzelne Theater- und Musikveteranen sowie Handwerker ihre Unterstützung zugesichert hatten und die Hausbewohner grünes Licht gaben, konnte das Experiment starten.

l Matrimonio Segreto von Domenico Cima-rosa. Auf drei Ebenen der Scheune – den Zuschauerraum inbegriffen, in mindestens drei direkt einsehbaren Räumen, auf zwei Balkonen und einem für das Orchester re-servierten Abteil wurde gespielt, gesungen und musiziert. Was mit beträchtlicher Fronarbeit an musikalischen Probe-Wochenenden und dreieinhalb Intensiv-Wochen mit WG-Betrieb für Bereitstellen, Bühnenbau und szenische Proben in den Sommerferien erarbeitet wurde, überzeugte und begeisterte im Herbst das Publikum an sechs ausverkauften Aufführungen.

Der grosse Erfolg rief bei Jung und Alt nach weiteren Opern-Aufführungen. Nebst einigen Liederabenden folgten zwölf weitere, mehrheitlich wenig bekannte, abendfüllende Opern, die ausnahmslos Begeisterung auslösten und vor vollem Haus gespielt werden konnten (davon drei grosse romantische Werke mit Chor in Fabrikhallen).

Das Projekt nennt sich schon bald „opernHausen“ (www.opernhausen.ch). Es kann sein Einzugsgebiet für Publikum und Mitarbeiter erweitern. Man produziert im gleichen Geist mit neugierigen, fronarbeits-willigen Gesangs- und Musikstudenten und nicht wegzudenkenden Verantwortlichen und Helfern bei Technik, Kostümschneiderei, Administration und Restaurant.

Während der Pandemie ist die musikalische und technische Crew dem Studentenalter entwachsen und deren Selbsterneuerung ist unterbrochen. Auch sind die Initianten und Mitbewohner im Haus und unterstützende Freunde älter geworden, die mittlere Gene-ration steht mitten in Beruf und Elternschaft und die Grosskinder spielen vorläufig lieber Fussball. Auf der anderen Seite spürt man das Herz klopfen, signalisieren unverzichtbare Ressortverantwortliche, dass sie Lust hätten, wieder dabei zu sein, fragt treues Publikum nach und warten ein „Theatersaal“ und eine Ausstattung darauf, wieder mit Leben gefüllt zu werden. ... Es kommt, wie es kommt ...

Die von opernHausen aufgeführten Werke
2001 Cimarosa: Il matrimonio segreto
2002 Haydn: Il mondo della luna
2003 Piccinni: La Cecchina oder La buona figlinola
2004 Haydn: Orlando Paladino
2005 Salieri: Falstaff
2006 von Dittersdorf: Doktor und Apotheker
2007 V. Martín y Soler: La capricciosa corretta
2008 Boïeldieu: La dame blanche
2009 Smetana: Hubicka - Der Kuss
2011 Grétry: Richard, Coeur de Lion
2012 Donizetti: L‘elisir d‘Amore
2015 Grétry: Guillaume Tell
2018 Haydn: La vera costanza

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