Das Wohnhaus an der Zugerstrasse 11 gehört seit den 1860er-Jahren der Familie Weiss. Die Frauen der Familie führten im Untergeschoss bis Ende der 1930er-Jahre einen Laden mit vielfältigem Sortiment. Anschliessend wurden die Räumlichkeiten als Coiffeur-Salon, später als Wohnung vermietet.
Rechts im Garten steht ein interessantes Werkstattgebäude. Dort wurden für die Seidenweberei Zürrer (später Weisbrod-Zürrer) sogenannte Webblätter hergestellt. Sie waren Bestandteil der mechanischen Webstühle in der Fabrik.
Der Enkel des Blattmachers Weiss, der 2005 verstorbene Otto Weiss, war in Hausen eine bekannte Persönlichkeit und langjähriges Mitglied des Gemeinderates. Er war Sattler wie sein Vater und arbeitete in der Werkstatt bis 1993.
Margrit Paratian-Weiss, die heutige Besitzerin der Liegenschaft, erzählt:
„Meine Urgrossmutter führte den Krämerladen zunächst allein und später zusammen mit ihrer Schwiegertochter, also mit meiner Grossmutter, die ihn später ganz übernahm. Neben Waren für den täglichen Bedarf gab es auch Schokolade von Sprüngli, getrocknete Feigen aus der Algarve, Zuckerhüte, ja sogar Schuhe und Krawatten zu kaufen.
Meine Grossmutter war die erste Frau im Dorf, die den Führerschein erwarb. Sie fuhr mit dem Auto zu den Höfen und Weilern der Umgebung, um ihre Waren feilzubieten. Aufgrund ihrer gesundheitlichen Probleme und der Wirtschafts-Krise in den 1930er- Jahren musste sie den Laden aufgeben.
Bald darauf betrieben James Mayer und anschliessend Walter Ogi ihren Coiffeur-Salon im Untergeschoss. Später wurde es als Wohnung vermietet.“
Der wenig bekannte Beruf des Blattmachers
Um die Aufgabe des Webblatts im Webstuhl zu verstehen, ist hier das Schema eines Flachwebstuhls dargestellt. Die Walze links ist der Kettbaum, die Walze rechts ist der Warenbaum, auf den das fertige Gewebe aufgerollt wird. Nach jedem „Schuss“ wird das Webblatt in Richtung Warenbaum bewegt. Es drückt dadurch den neu eingetragenen Schussfaden an das schon fertige Gewebe an und presst die Fäden aneinander. Der Abstand der senkrechten Stäbe im Webblatt bestimmt die Dichte des Gewebes, muss sich aber auch nach der Fadenstärke und dem Fadenmaterial richten.
Zur Zeit des Blattmacher-Handwerks erforderte die Konstruktion der Webblätter grosse Präzision und handwerkliches Können. Durch die zahlreichen Fenster der Werkstatt kam genügend Licht in den Raum, was bei der heiklen Arbeit wichtig war. Heute werden die Webblätter aus Stahl oder Messing industriell hergestellt.
Gefährlich für die Gesundheit der Konstrukteure war zu jener Zeit der durch die Feil-Arbeit verursachte Metallstaub.
Weberei Webblatt
· Fabrikareale (Hausen+Ebertswil)
Zugerstrasse 11, Handlung von Frau Weiss
1904 · Gebäude, ohne Post Hausen und Ebertswil, Albisbrunn und Restaurants
Zugerstrasse 11, Handlung von Frau Weiss
1905 · Gebäude, ohne Post Hausen und Ebertswil, Albisbrunn und Restaurants
Zugerstrasse 11, Coiffeursalon
1940 · Gebäude, ohne Post Hausen und Ebertswil, Albisbrunn und Restaurants
Blattmacher Tandler (1) - 6 Blätter
2015 · Diverses
Blattmacher Tandler (2) - Blatt+Massstab
2016 · Diverses
Blattmacher Tandler (3) - Blatt+Massstab
2017 · Diverses