Wir stehen hier vor einer Reihe zusammengebauter Gebäude. Von links nach rechts sind zu sehen: Stall und Scheune mit Einfahrt zur Tenne von 1850, ein Wohnhaus im Bohlenständerbau von 1625 und ein Wohnhaus im Riegelbau von 1839.
Im Anbau bergseits des Riegelhauses steht eine Trotte von 1816. Die Trotte stammt aus einer Zeit, als zu jedem Bauernhof ein grosser Baumgarten mit Apfel- und Birnbäumen gehörte.
Zur Geschichte der Gebäude
Eine dendrochronologische Datierung ermöglichte es, das Baujahr des ältesten Hausteils, einer Bohlenständer-Konstruktion auf das Jahr 1625 zu bestimmen. Östlich an diesen Bau stösst der Riegelbau von 1839. Auf der Westseite der Gebäudereihe sind Einfahrt, Stall und Scheune noch im Original-Zustand von 1850 erhalten.
Wie funktioniert eine Baumtrotte?
Die Trotte von 1816 im Schweikhof ist weitgehend intakt und funktionstüchtig. Der Trotten-Anbau ist so schmal und eng, dass die verschiedenen Arbeitsvorgänge nicht neben der Trotte ausgeführt werden konnten. Das Obst wurde über die Scheunen-Einfahrt durch den ganzen Dachraum gefahren und über dem Wohnhaus in die Trotte hinunter geleitet. Der ausgepresste Saft musste vom Trottbett über einen langen Holzkännel in den Spindelraum geleitet werden, weil neben dem Trottbett der Platz für eine Stande fehlt. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts wurden hier Äpfel und Birnen zu Most gepresst.
Auf dem Schema ist punktiert rechts das Trottbett mit den zerkleinerten Früchten dargestellt, die mit Eichenbalken beschwert und bis hinauf zum schief liegenden Trottbaum belastet werden. Dann wird der Trottstein (schwarz) durch die Spindel in die Höhe geschraubt. Der entstehende Druck presst die Früchte zusammen, der Most wird unten von einer grossen Stande aufgefangen.
Landwirtschaft auf dem Schweikhof
Schweighof oder Schweikhof ist ein alter Name für einen Bauernhof, auf dem ursprünglich Rindvieh gehalten und Milchwirtschaft betrieben wurde. Der obere Schweikhof hatte einst dem Kloster Kappel gehört und wurde bis 1813 von einer Familie Huber geführt. Dann übernahm eine Familie Suter den Hof. In der 2. Hälfte des 19. Jahr-hunderts ging der Besitz an die Familie Lier über. Es war der junge Landwirt Karl Lier (1839-1903), der in seinen Tagebuch-Einträgen eindrücklich die harte damalige Zeit im Schweikhof schilderte. Familie Lier bewohnte die Liegenschaft bis 1975.
Karl Lier (1839–1903) vom oberen Schweikhof erzählt von der Landwirtschaft im 19. Jahrhundert
In seinen Erinnerungen, herausgegeben 1987 von der Ortsmuseums- Kommission Hausen, schreibt Karl Lier vom mühsamen Bauernleben auf dem oberen Schweikhof, den er mit achtzehn Jahren übernommen hatte: „Das Heimwesen wurde ohne Fahr-habe und Vieh um circa 17000 Franken gekauft und ertrug damals nur 4, höchstens 5 Kühe, mit welchen immer «gefuhrwerket» sein musste, da noch ziemlich Ackerland und die Weid da war. Der Milchertrag kam in einem Jahr höchstens auf 700 bis 800 Franken und diese waren keine Einnahmen von Werth zu verzeichnen. Frucht (Getreide) wurde bei Weitem nicht genug geerntet und ebenso war‘s manchmal mit den Erdäpfeln (Kartoffeln).
Dann und wann, bei einem guten Jahrgang, gab‘s etwas Obst oder Most zu verkaufen. Das gibt einen betrübenden Einblick in die
damaligen Verhältnisse und die herrschen-den, ökonomischen Zuständen. Es nimmt Einem nur Wunder, wie es auszuhalten war und wie man fortleben konnte. Die bedeu-tenden Schulden mussten immer, wie‘s im Volksmund heisst, von einem Nagel an den andern gehängt werden, wir wussten manchmal nicht wie machen und doch ging es immer. Das Jahr 1858 war mein erstes Betriebsjahr auf dem Schweikhof, aber es waren nicht einmal 700 Franken Einnahmen für gelieferte Milch zu verzeichnen.“
Karl Liers Erlebnisse während des Sonder-bundskriegs, einem Streit zwischen den reformierten und den katholischen Kantonen
„In der Nacht vom 7./8. November 1847 hatte ich schon geraume Zeit geschlafen, als ich erwachte und meinen Vetter Jacobli rufen hörte: Die Sonderbündler kommen! Die Sihlbrugg brennt! Wir standen eiligst auf, nahmen etliche Habseligkeiten mit, und unsere liebe Mutter ging mit uns Kindern nach dem Hauserthal und dann nach dem Ober Albis, zu einer befreundeten Familie Baumann, und der liebe Vater nahm Gewehr, Patronentasche und Patronen und eilte fort zum Landsturm. Auf dem Wege nach dem Albis trafen wir eine ganze Menge Flüchtlinge an, es war eine unvergessliche, bewegte Nacht, das Sturmläuten der Glocken in den umliegenden Gemeinden, das Trommeln, Trompeten und Rufen des Militärs, dazu der halbröthliche Schein der von den (katholischen) Sonderbündlern angezündeten Sihlbrugg. Auf dem Albis waren die Häuser überfüllt mit flüchtigen Familien, die Hausbesitzer hatten ihre liebe Noth mit ihnen. Als gegen Morgen der Bericht kam, es sei kein Überfall mehr zu befürchten, zogen wir wieder heim, wo der liebe Vater schon zu Hause war.“
Die Hafner-Werkstatt im Schweikhof
In der Gemeinde Hausen wie auch in der weiteren Nachbarschaft findet man in alten Wohnhäusern eine erstaunlich grosse Zahl sehr gut erhaltener Kachelöfen aus der Zeit des 17. bis 19. Jahrhunderts. Es war der ins Albisgebiet eingewanderte Hafnergeselle David Markstaller, der dieses Handwerk in unsere Gegend brachte. Aus dem heutigen Tschechien stammend, fand er mit Frau und Kind zunächst Unterschlupf im oberen Schweikhof bei Uli Huber. Dort entdeckte man 1993 im Keller erste Spuren von Markstallers Hafner-Handwerk. Ab 1708 hatte der Ofenbauer seine Werkstatt in Ebertswil (heute vermutlich Langrütistrasse 4) und gab später sein Wissen und Können an Söhne und Enkel weiter.