Zum Hauptinhalt springen

Landgut Reinhart

Der Seidenhändler Rudolf Walder liess in den Jahren 1913/14 für seine Familie diesen Landsitz bauen. Die Familie konnte ihren Besitz aber nicht lange geniessen, denn Rudolf Walder wie auch seine Frau starben innerhalb weniger Jahre.

Alfred Reinhart aus Winterthur, ein vor allem in Ägypten tätiger Baumwoll-Kaufmann, erwarb 1922 die Liegenschaft. Zwei Jahre später kaufte er die unrentabel gewordene Kaltwasserheilanstalt Albisbrunn und gründete die Stiftung Albisbrunn, das heute noch bestehende Schul- und Berufsbildungsheim für Jugendliche.

Nach einer Renovation (2015–2021) wird die Liegenschaft heute vor allem für interne Weiterbildung genutzt.

Die heutige Nutzung

Die Liegenschaft samt Umgebung untersteht dem Kantonalen Denkmalschutz. Die Anlage wurde in den Jahren 2015 bis 2021 einer umfassenden Renovation unterzogen. Als neuer Essraum wurde im Garten ein Glaspavillon gebaut. Ziel der Erneuerung war eine bessere und zeitgemässe Nutzung durch die Firmen der Familie Reinhart, vor allem für interne Seminare, Retreats und Off-Site-Workshops. Zurzeit werden in erster Linie Anlässe der VZ-Gruppe durchgeführt (VermögensZentrum AG).

Die Geschichte von Gebäuden und Umgebung
Frau Berta Baumann, eine Enkelin von Jakob Zürrer, dem Firmengründer der Seidenweberei Weisbrod-Zürrer, hatte 1887 den Zürcher Seidenkaufmann Jakob Rudolf Walder geheiratet. In aussichtsreicher Lage, zwischen Hausen und Ebertswil, liess das Ehepaar In den Jahren 1913/14 diesen Landsitz errichten. Verantwortlich für den Bau waren die Architekten Müller & Freytag. Die Familie Walder taufte das Gut Tannhof. Leider erlag der Hausherr schon 1919 einem heimtückischen Herzleiden. Drei Jahre später starb auch seine Frau.

Die nun herrenlose Liegenschaft wurde von Alfred Reinhart (1873 bis 1935) aus Winterthur erworben, einem erfolgreichen Baumwoll-Händler, der vor allem in Ägypten (Alexandria) tätig war. Er gab seiner Villa den arabischen Namen Esbet Iskandaria (deutsch: Gutshof Alexandria). Reinhart liess 1933/34 die dazugehörige Parkanlage vergrössern und durch die Gebrüder Mertens neu gestalten. Über die Wintermonate weilte die Familie Reinhart in Ägypten. Da der Sommer in Nordafrika sehr heiss ist, verbrachte man diese Jahreszeit jeweils in der Schweiz.

Dora Huber-Rosenberg (1933–2019), in Ebertswil aufgewachsen, war nach absolvierter Volksschule ab 1950 bei der Familie Reinhart angestellt als Zimmermädchen und Haushalthilfe. Sie erzählt: „Sehr oft hatte die Familie Besuch, und bei diesen Gelegenheiten musste ich die Gäste bedienen. Der Chauffeur der Familie war auch für die Gartenanlagen mit Treibhäusern verantwortlich. Am Sonntag fuhr manchmal die ganze Familie samt Angestellten mit dem Auto nach Zürich zum Besuch des Gottesdiensts.“

Schon 1935 verstarb Alfred Reinhart mit 62 Jahren. Er hinterliess einerseits das Landgut, andererseits ein für unsere Gemeinde grossartiges Andenken: Er hatte kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs die unrentabel gewordene Kaltwasserheilanstalt Albisbrunn erworben. 1924 gründete Reinhart die Stiftung Albisbrunn als Landerziehungsheim für Jugendliche. Die heute noch bestehende Institution ist ein Schul- und Berufsbildungsheim.

Standort