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Türlersee

1910 realisierten initiative Einwohner der Gemeinde Hausen eine erste einfache Badeanstalt am Türlersee. 1945 wurden ein Strandbad und ein Campingplatz betrieben, zunächst auf privater Basis. Seit 1986 gehört das Areal der politischen Gemeinde Hausen am Albis.

Seit 1944 besteht eine Kantonale Schutzverordnung für das Türlerseegebiet. Der See hat eine Länge von 1400 m und eine maximale Tiefe von 22 Metern, sein Seespiegel liegt auf 643 m über Meer.

Allerlei Wissenswertes

Auf dem Campingplatz haben maximal 200 Einheiten (Wohnwagen) Platz, wovon 150 als Saisonplätze vom 1.April bis 31.Oktober fest vermietet sind.

Der Verein „Camping- und Naturfreunde Türlersee“ kümmert sich um die Interessen der Campeure und unterstützt wie der „Sportfischerverein“ die Bestrebungen des Schutzverbandes.

Seit 1965 besteht der „Sportfischerverein Türlersee“, eine Vereinigung von Hobbyfischern, die auf dem See vom Boot aus fischen. Ihre Ruderboote liegen bei Nichtgebrauch an den beiden Enden des Sees, vertäut an zwei langen Stegen. Wer fischen möchte und nicht Mitglied ist, kann von einem der sieben Fischerstege aus sein Glück versuchen.

Arbeit und Freizeit auf dem zugefrorenen Türlersee

Im 19. Jahrhundert waren die Wintertemperaturen in Europa um einige Grade kälter als heute. Auf Seen und Flüssen bildete sich regelmässig eine dicke Eisschicht. Aus dem Eis gesägte grosse Blöcke wurden bis Mitte des 20. Jahrhunderts von den Brauereien zur Kühlung des Biers verwendet. Auch in den Gaststätten und Läden wurde auf diese Weise das Bier kühl gelagert.

Das Türlersee-Eis sägte man ebenfalls auf und zog es anschliessend in rechteckigen Schollen aus dem Wasser. Die „Kühl-Elemente“ wurden auf Pferdefuhrwerke verladen und umgehend in die Brauerei Hürlimann in Zürich transportiert. In privaten Haushalten kannte man die elektrisch betriebenen Kühlschränke erst nach dem Zweiten Weltkrieg.

Das Klima wurde allmählich milder, und die richtig kalten Winterwochen, in denen man auf der Eisdecke Schlittschuh laufen und spazieren konnte, wurden selten (letztmals 2009 und 2012).

Der Türlersee, Resultat eines mächtigen Bergsturzes

Während der letzten Eiszeit war das heutige obere Reppischtal von einer mächtigen Eiszunge ausgefüllt. Ein Seitenarm des Linthgletschers drang aus dem Zürichseetal über das Hirzelgebiet ins Knonauer Amt vor und schob sich zusammen mit den Eismassen des Reussgletschers westlich des Albis nach Norden bis hinunter nach Tägerst. Nur der Albiskamm und die Spitze des Aeugsterberges blieben eisfrei. Gegen Ende der letzten Eiszeit, vor etwa 10‘000 Jahren, zogen sich die Gletscher zurück. Auf der steilen Nordostseite des Aeugsterbergs fiel der seitliche Eisdruck weg und die Reppisch frass sich in den Hangfuss ein. Der Berghang verlor allmählich seine Stabilität. Ein grosser Teil (ca. 60 Millionen Kubikmeter) geriet ins Rutschen und versperrte der Reppisch den Weg. Möglicherweise wurde der neu entstandene See anfänglich durch den Hexengraben nach Westen entwässert. Im Laufe der Zeit fand die Reppisch aber einen Weg um die Bergsturzmassen herum, und der Bach und begann wieder nach Norden zu fliessen.
Siehe Skizze von J. Hug., 1918

Türlersee-Sagen

Die folgenden Texte stammen aus dem Buch von K. W. Glättli, Zürcher Sagen, Zürich, 1959

Wie der Türlersee entstand

„Da, wo jetzt der Türlersee sich ausbreitet, lag in alten Zeiten ein schöner Bauernhof mit fruchtbaren Feldern. Der Besitzer hatte ein einziges Kind, eine anmutige, liebe Tochter. Die war dem jungen Schlossherrn auf der Schnabelburg in die Augen gefallen, und er stellte ihr leidenschaftlich nach. Das gute und ehrbare Kind wies aber alle seine Versprechungen zurück, beharrlich und schroff. Dem einfachen und freien Bauernmädchen missfiel die Pracht der Burggemächer. Doch der Schlossherr konnte den Vater überreden, das Kind zu mitternächtlicher Stunde unter allerlei Versprechungen auf das Schloss zu bringen.
Der Ritter selbst öffnet das Tor und zieht das widerstrebende Mädchen herein. Wie er das Tor hinter ihm schliessen will, merkt es, was gespielt wird und stösst einen Schrei der Verwünschung aus auf seinen verräterischen Vater. In diesem Augenblick fährt ein flammender Blitz vom Himmel und trifft ihr Elternhaus. Das Kind sieht noch durch die Türspalte, wie die Erde eine feurige Kluft öffnet und der einst schmucke und gesegnete Hof mit allen Feldern darin verschwindet.
Am Morgen lag an deren Stelle ein See.“

Der Chriemhilden- oder Hexengraben
Siehe Flugbild mit Hinweis auf den Hexengraben

„Weit vom Meeresstrande wanderte einst eine Familie ins Knonauer Amt ein. Der Mann war von friedlicher Gemütsart, das Weib finster und ungesellig, doch dem Gefährten eine treue Gehilfin und dem wunderlieblichen Kinde eine sorgsame Mutter. Hinter Vollenweid, auf dem Berge am Türlersee, bauten sie eine Hütte und erwarben beträchtliches Grundeigentum. Wundersam gedieh die Arbeit ihrer Hände, und was sie gepflanzt, gedieh und reifte in üppiger Fülle. Vor allem erfüllte der herrliche Garten die Nachbarn mit Bewunderung, aber auch mit geheimem Neide. Mit freundlichem Sinn teilten der Mann und das Kind von den duftenden Blumen und den saftigen Früchten auch vorbeiziehenden Wanderern und den Nachbarn mit, und oft trug das liebliche Mädchen den Kranken der Umgebung heilsame Kräuter zu. Das sah die Mutter – Chriemhilde nennen sie die einen, die andern Verena – nicht gerne, doch Vater und Kind beschworen mit freundlicher Mahnung den bösen Geist in ihr.
Nach etlichen Jahren geschah es, dass der gute Vater in den erbosten Wellen des Türlersees sein Grab fand. Mit ihm entwich der gute Geist, der über dem Haus gewaltet hatte. In finsterer Trauer arbeitete das Weib weiter, aber in ihrem Herzen wucherten Habsucht und Menschenhass. Umsonst harrten die Kranken der Heilkräuter, umsonst schauten die Nachbarskinder nach den Wunderblumen in Chriemhildens Garten. Die Unglückliche erweiterte unbefugt ihre Grenzen. Das liessen sich die Herferswiler nicht bieten. Ohne der Guttaten des Verstorbenen zu gedenken, fielen sie über die Witwe her und brachten sie mit Zank und Hader und rastlosem Treiben vor den Gerichten um ihren Grundbesitz.

Das gute Kind aber konnte das Wesen der Mutter nicht ertragen; es welkte dahin und fand im Schoss der Erde seine Ruhestätte.

Als nun Chriemhilde einsam geworden und ihr die Herferswiler alle Grundstücke bis auf den Garten wegprozessiert hatten, sprach sie in wildem Unmut: „So kann ich doch noch gartnen!“ Aber es war kein Segen bei ihrer Arbeit, und der Garten blieb ein Schatten von der ehemals lachenden Pracht. Schliesslich beraubten die Nachbarn sie auch noch des Gartens, und das Weib lebte nur noch im Gefühl der Rache.

Da nahte ihr der Böse. Der gab ihr ein, sie solle mit dem Wasser des Türlersees, das ihren Mann verschlungen hatte, ihre Feinde ertränken und ihre Felder verwüsten. Ein Hügel, der Jungalbis, trennt nämlich den See von dem Dorfe, und diesen wollte sie mit Teufels Gewalt durchstechen. Der Böse verlieh ihr Riesenkräfte und -gestalt. Eines Nachts machte sie sich ans Werk. Mit einer Schaufel wie ein Tennstor so gross, schaffte sie in grausiger Hast, mit jedem Stich einen Schuh weit vorrückend. Da sie aber mit dem Teufel abgemacht hatte, sie dürfe bei der Arbeit kein Wort reden, konnte sie ihrer Freude über das rasche Vordringen der Arbeit nicht Ausdruck geben. Sollte sie aber ein Wort über die Lippen lassen, bevor das Wasser durch den Graben in die Herferswiler Felder laufe, so wäre sie sein.

Wie sie zum letzten Stich die Riesenschaufel hob, konnte sie ihr Entzücken nicht mehr bändigen, und wild jauchzend rief sie: „So ist’s geschehen, Gott zu lieb oder zu leid!“ In diesem Augenblick entführte ein brausender Sturm die Hexe durch die Luft, auf die blumigen Halden des Glärnisch. Aber unter ihrem Fusse erstarrten Gräser und Kräuter zu Eis. Noch heutzutage steht sie dort, auf ihren Spaten gelehnt, ein zackiger Eisblock, und nimmer taut sie auf von den Tränen der Liebe. Denn sie hat nur Hass gesät und Fluch geerntet.

Der Graben aber, den sie ausgehoben, blieb, und die Leute nannten ihn nach ihr Chriemhildengraben (heute Hexengraben).“

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