Das Haus Albisstrasse 24 wurde im Jahre 1866 als Schulhaus mit zwei Klassenzimmern und Wohnungen erbaut. Der klassizistische Bau entsprach dem damaligen Zeitgeist, und das stattliche Haus macht die Bedeutung der Schulbildung im 19. Jahrhundert sichtbar.
Mit Rücksicht auf die Schulwege wurde das Haus bewusst zwischen den alten Dörfern Hausen und Heisch errichtet. Das Haus erfüllte seinen Zweck bis 1958, als der langgestreckte Backsteinbau im heutigen Schul-Areal eingeweiht wurde. Das Gebäude an der Albisstrasse wird seither als Mehrfamilienhaus genutzt.
Erinnerungen von Heinz Rüegg, geb. 1935.
Sohn des Gemeindeschreibers Walter Rüegg, notiert 2014:
„Nach 2 sorglosen und verträumten Kinder-gartenjahren kam ich 1942, soeben 7-jährig geworden, in die 1. Klasse bei Lehrer Heinrich Frei. Er unterrichtete die Unterstufe im damaligen Primarschulhaus Heisch schon seit Urzeiten: so kam es uns wenigstens vor. Heiri Frei ging der Ruf voraus, parteiisch zu sein, die Schüler zu schlagen und mehr Zeit im Restaurant als im Schulzimmer zu verbringen. Kein Wunder, dass wir unserem Schulanfang mit Angst entgegensahen.
In den ersten Schulwochen wurden wir Erstklässler zwar noch geschont, hatten aber bereits Anschauungsunterricht über die Methode Frei bei den Zweit- und Dritt-klässler, die in den Bankreihen neben uns sassen. Freis Straf-Arsenal bestand aus spontanen Ohrfeigen und Kopfnüssen, vor allem aber aus einem ausgeklügelten System von Tatzen mit der Kante des Lineals. Die Tatzen bezog man nie einzeln, sondern sie wurden jeweils im Dutzend verabreicht. Dazu musste man vortreten und ihm abwechslungsweise die rechte und linke Hand hinhalten, auf die er dann mit voller Wucht sein Lineal niedersausen liess. Zog ein Schüler seine Hand im letzten Moment zurück, sodass Frei ins Leere oder an sein eigenes Bein schlug, fasste er sofort eine zusätzliche Tatzen-Serie. Bald stellten wir fest, dass die Strafen immer wieder die gleichen Schüler, meist Bauernkinder vom Hinter- und Mittel-Albis trafen, sei es weil sie die Aufgaben nicht gemacht hatten oder einfach leicht verspätet oder mit dreckigen Händen zur Schule kamen.
Ich selbst kam relativ ungeschoren durch die 3 Klassen bei Lehrer Frei. Das mag damit zu tun gehabt haben, dass mein Vater in der Primarschulpflege sass und zusammen mit Heiri Frei im Pistolenschützen-Verein, dem nobelsten Verein von Hausen, Mitglied war. Jedenfalls ist mir nur eine Episode in Erinnerung geblieben, bei der auch ich die Hände hinhalten musste.
Frei hatte die Gewohnheit, während der grossen Pause im Restaurant Schönegg seinen Frühschoppen zu genehmigen. Manchmal war er mit nur kleiner Verspätung wieder zurück; oft aber blieb er hängen und verpasste eine ganze Stunde oder mehr. So oder so verlangte er, dass die Schüler still arbeitend im Klassenzimmer sassen wenn er zurückkam. Da unsere Schulzimmer gegen die Schönegg ausgerichtet lag, war dies auch meist der Fall; denn ein Drittklässler musste jeweils Alarm auslösen, wenn der Lehrer sich dem Schulhaus näherte. Einmal, es war bereits mehr als eine Stunde nach der Pause, sah ihn aus irgendeinem Grunde niemand kommen und er platzte in eine ziemlich laute Schülerschar hinein. Drohend fragte er, wer da geschwatzt habe. Vorerst herrschte betretenes Schweigen dann meldete sich ein Mädchen. Nachdem sich auch auf die dritte Wiederholung der Frage niemand mehr gemeldet hatte, verkündete Frei sein Urteil: Straffrei ging nur das Mädchen aus, das sich gemeldet hatte. Alle andern mussten in Einerkolonne antreten und für ihre Weigerung, zu gestehen, ein Dutzend Tatzen beziehen.
Vielleicht war es als punktuelle Wieder-gutmachung gedacht, dass ein Mädchen und ich (nein, das Mädchen war nicht die Geständige) zur Belohnung für etwas, das ich vergessen habe, von Frei in den oberen Stock zum Znüni eingeladen wurde.
Als Belohnung empfanden wir es jedenfalls nicht, unter dem wachsamen Auge der dicken Frau Frei, die uns doppelt so gross und viermal so schwer wie ihr Mann vorkam, ein Konfitürenbrot verzehren zu müssen.
Ein zweites Mal verhalf mir eine Schlange zu einem unvergesslichen Besuch in Freis Wohnung. Die Schlange hatten Buben aus Tüfenbach am Morgen über einem Stecken hängend, zur Schule gebracht. Sie kam aus der damals existierenden Kehricht-Deponie im Tüfenbacher Tobel, war ziemlich lädiert aber lebte noch. Frei warf sie in ein Glasgefäss und ich durfte mit ihm hinauf in seine Wohnung. Dort goss er mit offensichtlichem Vergnügen Alkohol über die Schlange und ich durfte mit ihm ihren Todeskampf mitanschauen. Das pädagogische Meisterstück endete damit, dass das Glas mit der nunmehr toten Schlange von Bank zu Bank gereicht wurde.
Eine andere Erinnerung betrifft das Verhältnis der beiden Lehrersfamilien im Schulhaus Heisch. Gegenüber, im zweiten Klassenzimmer des Primarschulhauses, unterrichtete Lehrer Fluck zwei Klassen der Mittelstufe. Er galt ebenfalls als streng, war sehr schwerhörig aber etwas berechenbarer und weniger parteiisch als Frei. Die beiden Lehrer waren sich spinnefeind; und schimpften über einander vor ihren Klassen. Über den beiden Schulzimmern waren die Lehrerwohnungen. Der Krieg im Parterre fand im ersten Stock seine Fortsetzung; denn die Frauen sprachen ebenfalls nicht mit einander sondern nur schlecht über einander.
Vor unserem Schulzimmer stand in der Wiese, dort wo jetzt das Einfamilienhaus, umgeben von der Kendrion Magnetfabrik steht, ein Apfelbaum. Auf einem Ast sass, zum Ärger von Frei, oft Flucks Lieblingskatze. Frei versprach uns Schülern eines Tages ein Sonder-Erlebnis, holte in der Wohnung seine Pistole und erschoss zur Konsternation der Schülerschaft die auf dem Baumast dösende Katze.
Während meiner Unterstufenzeit tröstete mich nur der Gedanke, dass meine 3 Jahre jüngere Schwester Ursi dann zu Frei in die Schule käme, wenn ich ihm endlich entronnen wäre. Aber es kam anders. Offenbar war die Schulpflege nicht untätig geblieben. Im neuen Schuljahr, nach den Frühlingsferien stand eine junge, nette Lehrerin in Freis ehemaligem Schulzimmer. Frei war in der Trinkerheilanstalt in Ellikon; die Familie verschwand bald aus Hausen. Einige Zeit später quittierte auch Fluck den Schuldienst und wurde erster Filialleiter der ZKB Filiale Hausen. Als solcher achtete er darauf, dass der Bank mehr Gelder zu- als von ihr abflossen. Wollte jemand von seinem Sparheft abheben, so wollte er, vor allem von seinen ehemaligen Schülern, immer ganz genau wissen, wofür sie das Geld bräuchten. So kam die Zuger Kantonalbank zu zahlreichen Kunden aus Hausen.“
Schulhaus Heisch, Albisstrasse 24 - Erdgeschoss
1886 · Schulen und Kindergärten
Schulhaus Heisch, Albisstrasse 24 - erster Stock
1886 · Schulen und Kindergärten
Schulhaus Heisch, Albisstrasse 24 - gekauftes Land
1864 · Schulen und Kindergärten
Albisstrasse 24, Schulhaus
1907 · Schulen und Kindergärten
Albisstrasse 24, Schulhaus, Rs
1907 · Schulen und Kindergärten
Multibild: Handlung Bickel-Müller, Kirche, Schulhaus, Albisbrunn
1905 · Hausen: Dorfansichten, Flugaufnahmen, Multibilder